Plastische Systeme
          Doppelhof & Idylle

 







  Museum für konkrete Kunst, Ingolstadt  
   

Bevor die "Lebenskreuze" unter diesem Namen selbstständig wurden, waren sie Teil der Werkgruppe "Plastische Systeme". Kennzeichen dieser Kunst ist, dass sich der Künstler so weit wie möglich zurück nimmt, keine fertigen Ergebnisse liefern will, sondern Impulse gibt, eigene Erfahrungen zulässt. Da dies die "Lebenskreuze" und "Systeme" gemeinsam haben, scheint es sinnvoll auf diesen Seiten auch über die "Plastischen Systeme" zu berichten.

"Plastische Systeme" sind mehrteilige Kunstwerke. Ihr jeweiliges Erscheinungsbild als Ganzes erhalten sie immer erst durch den Betrachter, der so zum Handelnden wird. Der Umgang mit ihnen ist stressfrei abgearbeitet wird die kleine alltägliche Ungeduld, die sonst z.B. kritzelt oder Büroklammern verbiegt.

Plastisches System "Dementi"
 

In jedem "Plastischen System" sind unzählige Möglichkeiten beschlossen. Kunst ist das Möglichkeitsfeld als Ganzes und nicht nur das jeweils Realisierte. Um zu solcher Erlebnisfülle zu gelangen bedarf es hoch qualifizierter Ordnungsstrukturen. Solch komplexen Ordnungen sind charakteristisch für konkrete Kunst. "Plastische Systeme" sind eine zeitgemäße Spielart dieser Kunstform.

Und ein zweites: Mit den "Plastischen Systemen" will der Künstler dem Zivilisationsmenschen einen exakt strukturierten Bereich anbieten, der es ihm ermöglichen kann sein Wissen und Fühlen in Übereinstimmung zu bringen. Lahme geht davon aus, dass eine derartige Erfahrung, wenn sie erst einmal gemacht wurde, auch für andere Lebensbereiche anwendbar ist. Auch in diesem seinen Wollen befindet er sich in Übereinstimmung mit den Zielen klassischer konkreter Künstler.

Das Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt besitzt das Plastische System "Dementi". Jetzt wurde hier die Aktion "Bei Berühren Kunst" durchgeführt. Das Event bestand darin, dass in die laufende Ausstellung des Hauses Sockel integriert wurden. Auf den Sockel: jeweils identisches Material zum agieren, das bekannte System "Doppelhof".

Zweierlei war bei der Aktion bemerkenswert. Durch das Arbeiten verschiedener Gruppen zu gleicher Zeit und mit gleichem Material konnte man sich untereinander austauschen. Die sonst eher intimen Erfahrungen mit den Systemen bekamen so Gruppendynamik. Und ein Zweites: Die so erarbeiteten Konstellationen des "Doppelhofs" konnten direkt mit der Sammlung des Hauses in Vergleich gesetzt werden. Ungewohnte Erfahrungen ermöglichen ungewohnte Einsichten.

In Ingolstadt wurde für die Aktion ein schöner Abschluss gefunden. Die Arbeitsergebnisse wurde fotografiert und die Fotos in eine vom Museum vorbereitete Urkunde eingefügt. Dann ging es ans Signieren. Dreimal wurde unterschrieben -1. unterschrieb ein Vertreter des Museums, 2. der Künstler und 3. der jeweilige Akteur. Ein schöner Abschluss, ganz im Sinne der "offenen Verbindlichkeit", für die diese Kunst steht.
 

 
     
   
     
   
     
 

 
   

Plastisches System "Doppelhof"

 
     
   
     
 

Urkunde "Bei Berühren Kunst" - Sonntag, 11. Januar 2004 /Ein besonderer Sonntagvormittag im Museum: Kunstaktion "Kunst mit Kunststückchen" mit dem konkreten Künstler Dieter Lahme als Gast im Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt /
Aus den "Doppelhof"- Skulpturen von Dieter Lahme wurden mit dem System des Künstlers und der eigenen Kreativität "kleine Kunstwerke" der Kinder und Erwachsenen / Maria Leineweber, Museumspädagogin; Dieter Lahme, konkreter Künstler; Autor des jeweiligen Stücks.